Helmut Merz

Förderung des Arten- und Biotopschutzes in den Mockstädter Wiesen

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  • Kiebitze
  • Ochsenstumpf01
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  • Rehe im Rudel
  • Roberta 330a
  • Stoerche 026a ja
  • Stoerche 035a ja
  • Stoerche 106 Bekassinen
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  • mit Frosch ja

 

1. Das Gebiet und seine faunistische Bedeutung

Das Landschaftsschutzgebiet Mockstädter Wiesen sowie das Naturschutzgebiet Nachtweid von Dauernheim  umfasst 3,5 qkm und ist die größte, nicht von Verkehrswegen durchschnittene Auenlandschaft der Wetterau. Etwa 40 % der Fläche entfällt auf den Ortsteil Nieder-Mockstadt.

Das Gebiet ist insbesondere aus ornithologischer Sicht bedeutend: Es gibt mehr als 60 Brutvogelarten, darunter bedrohte wie Kiebitz, Bekassine und Wachtelkönig, sowie mehr als 60 Zugvogelarten (Kranich), Wintergäste (Silberreiher, Kormoran) und Nahrungsgäste (Kolkrabe, Rot- und Schwarzmilan).

 

2. Maßnahmen zum Biotopschutz und Wiedergewinnung des Offenlandcharakters

In den vergangenen vier Jahren konnte eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz  der Biotope realisiert werden, z. B. die Anlage von Flachwasserteichen als Lebensraum u.a. für Frösche und Kröten, die Anlage von Brutinseln für Kiebitz , Enten und Gänse, die Anlage von Grabentaschen, die im Gegensatz zu den Gräben selbst nicht austrocknen, die Uferabflachungen an den Entwässerungsgräben. Ein seit Jahren bestehendes Wehr im Ochsenstumpf dient weiterhin der Regulierung des Grundwasserstandes. Um den Offenlandcharakter zu bewahren, wurden u.a. die Hybridpappeln längs der Nidda gefällt und Kopfweiden auf den Stock gesetzt.

 

3.Ein Beispiel: Das Gehegte Stück

Das Gebiet (3 ha) ist als Weide ungeeignet, da sich Quellwasser sammelt und die Fläche vernässt und versumpft. Es wurden insgesamt fünf Flachwasserteiche angelegt, die vom Hangwasser gespeist werden und deshalb ganzjährig nicht austrocknen. Ein niedriger Damm zum Entwässerungsgraben verhindert den Abfluss des Quellwassers. Als sicht- bzw. hörbare Erfolge sind u.a. die Entstehung einer kräftigen Laubfroschpopulation (Froschkonzert im April/Mai täglich ab 21.00 Uhr) und die erste Storchenbrut 2011 (2 Junge) in Nieder-Mockstadt seit vielen Jahren zu verzeichnen

 

4. Eine konzertierte Aktion

Alle Maßnahmen zur Habitatverbesserung für Kiebitz, Storch, Laubfrosch und Co. sind keine Einzelaktionen, sondern unter Mithilfe vieler Unterstützer erfolgt:

- Die Gemeinde Florstadt war über die Ausgleichsabgabe (Ökopunkte) u.a. an der Finanzierung von Flachwasserteichen, dem Zukauf eines Grundstücks im Gehegten Stück und über den Bauhof an der Realisierung verschiedener Maßnahmen beteiligt.

- Das Forstamt Nidda führte u.a. die Grabenabflachungen  sowie verschiedenen Pflegemaßnahmen durch.

- Der Naturschutzfond Wetterau initiierte u.a. den Bau von Brutinseln („Brachvogelrennbahnen“) und die Erstellung der Infotafel am Gehegten Stück.

- Die Untere Naturschutzbehörde ist planerisch an allen Maßnahmen beteiligt und regelt u.a. die Entschädigung von Landwirten bei verspäteter Mahd (HIAP). Für den Schutz des Wachtelkönigs wird beispielsweise eine Fläche von annähernd 20 ha bis Ende Juli geschützt.

- Die OVAG tritt bei allen Maßnahmen zum Storchenschutz als Sponsor auf (Aufstellung der Nester, Beringung der Jungen).

- Die Staatliche Vogelschutzwarte Frankfurt berät in fachlichen Belangen, insbesonders bei Artenschutzprogrammen

- Ehrenamtliche Naturschützer besonders der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON)  übernehmen über die AG Wiesenvogelschutz in der Wetterau das Monitoring und wirken als Ideengeber.

 

5. Beispiele für die Einmaligkeit und Bedeutung des Gebiets für den Naturschutz

- Der Wachtelkönig, eine von drei weltweit bedrohten Vogelarten, die in Hessen brüten, hat sein einziges regelmäßiges Brutvorkommen in der Wetterau in den Mockstädter Wiesen.

- Der Rotmilan, der deutscheste aller Vögel (60 % des Weltbestandes)  ist Brutvogel und Nahrungsgast in den Mockstädter Wiesen. Für diese Art haben wir eine besondere Verantwortung.

- Der Laubfrosch, vor kurzem noch hessenweit im Bestand bedroht, hat in den Mockstädter Wiesen (u.a. Gehegtes Stück) eine kräftige, stabile Population ausgebildet.

- Vom Schlammpeitzger, eine zu den Karpfenartigen gehörende  Fischart, mit spärlichen Vorkommen in Hessen, werden z.Z. die Bestände in den Gräben der Mockstädter Wiesen überprüft und Schutzmaßnahmen angedacht.

 

6. Zukunftsplanung

- Die konkreten Maßnahmen richten sich in Zukunft auf eine weitere Verbesserung der Qualität der Habitate, z.B. die Anlage eines Kiebitzackers und die Durchführung von Pflegemaßnahmen der bisherigen Projekte , z.B. Erhaltung der Brutinseln und des Kiebitzkorridors sowie Bekämpfung von unerwünschten Neozoen (Waschbär, Mink) und Neophyten (Herkulesstaude).

- Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Besucherlenkung. Dem notwendigen Schutz von Flora und Fauna (z.B. durch Betretungsverbot sensibler Gebiete während der Brutzeit) steht der berechtigte Wunsch vieler entgegen, möglichst hautnah (aber bitte nicht mit freilaufenden Hunden) der Natur zu begegnen. Es ist an die Anlage eines Rundwegs (für Wanderer, Radfahrer) um das gesamte Gebiet gedacht mit zwei Beobachtungstürmen, mehreren Infotafeln und Rastmöglichkeiten.

© 2016 Stephan Mickel